Die Wolle der Rauhwoller wurde schon in der Eisenzeit verarbeitet und hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.
Das Vlies der Tiere besteht aus vier verschiedenen Woll- und Haarfasern: sehr weiche, dünne Wollfasern sowie Wollfasern von mittlerer bis grober Stärke; Tothaare, die dem Vlies Volumen geben und bis zu 25 cm lange Grannenhaare, dem "Regenmantel" der Schafe. An diesen Haaren perlt der Regen außen ab, ohne das auch nur ein bißchen Nässe bis auf die Haut gelangt.
Das Vlies hat bei Vollschur, also wenn es ein Jahr gewachsen ist, eine Stapellänge (Faserlänge) von bis zu 20 cm. Diese Faserlängen ermöglichen ein Spinnen mit hoher Geschwindigkeit bei sehr dünnem Faden.

Die Wolle der Rauhwoller wurde schon in alten Zeiten für die Herstellung von Gebrauchskleidung benötigt: die Fischer auf der Ostsee trugen handgearbeitete Pullover aus mehrfach gezwirntem Pommerngarn in grauen Farbtönen, die gegen Schmutz so schön unempfindlich sind.

Kleidungsstücke aus reiner Schafwolle brauchen normalerweise nicht gewaschen werden. Der restliche Lanolingehalt verhindert, dass sich Schmutz festsetzt. Ein Lüften über Nacht, möglichst unter freiem Himmel, ermöglicht den Wollfasern, sich von Gerüchen zu regenerieren und wieder Form anzunehmen.

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit der Pommernwolle ist die Filzherstellung. Gebrauchssachen wie Jacken, Hausschuhe, Taschen, Hüte lassen sich sehr gut herstellen: Die Filzeigenschaften sind gut bis sehr gut, die Walkfähigkeit ist sehr gut.
Zwei Tage altes Lamm mit einem völlig schwarzen Vlies ohne jegliches Abzeichen
Lammvlies, ein halbes Jahr alt
gedrehte Spitzen, die von Salzwind und Sonne rötlich geworden sind, aber im Inneren des Vlieses noch sehr dunkel
Graues Vlies eines erwachsenen Schafes, mehrmals geschoren
Hellgraues Vlies eines erwachsenen Schafes
Bock in Halbschur:
sehr schön zu erkennen der Aalstrich und die nachwachsenden dunklen Grannenhaare
Altbock mit hellgrauem Vlies, dunklen Grannenhaaren und ebenholzschwarzer Mähne, die bei Vollschur fast bis auf den Boden reicht.
Bearbeitung:
Die Rohwolle von meinen Rauhwollern, den Mischlingen und den benachbarten Deichschafen wird von mir von Hand gewaschen, so dass ein restlicher Lanolingehalt in der Wolle bleibt.
Dann kardiere ich die gewaschene und getrocknete Rohwolle mit einer über 100 Jahre alten Kardiermaschine. Die Vorarbeit, die in der industriellen Wollverarbeitung ein Reisswolf erledigt, mache ich mit der Hand: die vom Waschen zusammenhängenden Wollklumpen auflockern. Auf diese Weise erhält die Wolle eine sehr schonende Behandlung.
Die Wolle trocknet im Garten
Eine über 100 Jahre alte Chemnitzer Kardiermaschine